Der Tag erwacht und wir spüren eine tiefe Sehnsucht nach Leben!
Der Tag erwacht und wir spüren eine tiefe Sehnsucht nach Leben!

Rundbrief-11, 181224
Irene und Dr. Wolfgang Kornder
Lehrer der Kontemplationslinie
„Wohnraum des Göttlichen“
Ulsenheim 23
91478 Markt Nordheim
09842/8870
w.kornder@t-online.de
www.wolfgang-kornder.de

 

 

Liebe Weggefährten und
Weggefährtinnen,

 

das Thema Sehnsucht hat mich heuer im Advent beschäftigt. Sehnsucht, da schwingt irgendwie etwas ganz Intensives aber auch Irritierendes mit. In Sehn-„Sucht“ steckt das gleiche Grundwort wie in Eifer-„Sucht“ oder in „Sucht“, im Süchtig-Sein. Und die Grundbedeutung liegt nicht etwa im „Suchen“, etwas suchen und finden. Das hier verwendete Wort „Sucht“ kommt vom mittelhochdeutschen „siech sein“, krank sein.


Niemand will krank sein. Denn wenn man krank ist, ist man nicht Herr seiner selbst. Sehnsucht – da findet sich Abhängigkeit. Mit uns geschieht etwas. Wir sind eigentlich schwach und passiv und sehnen uns danach, stark, aktiv und frei zu sein. 


Und diese Abhängigkeit zieht sich durch die Geschichte der Menschheit: Sehnsucht ist das, dessen Erfüllung man nicht machen kann, was die Menschheit aber ständig machen will.

 

Sehnsucht, da sind wir mitten im Adventskonsum, denn konsumieren kann man, kaufen kann man, auch wenn man sich nach seinem Geldbeutel strecken muss. Sehnsucht, da sind wir bei den vielen Versuchen der Menschen, sich ihr Sehnen selbst zu erfüllen: Das ist ein Grundzug unserer materiell ausgerichteten Welt, ein Grundzug unserer zunehmend säkularisierten Welt.


Auch im Lobgesang der Maria Lk 1 ,46ff schwingt Sehnsucht mit, aber irgendwie anders:

„Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes; denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig
ist. Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten.“

 

Da steht eine junge, schwangere Frau vor uns. Nicht einmal verheiratet. Eigentlich schwach, in einer schwierigen Lage. Aber diese junge Frau fängt nicht an zu machen, fängt nicht an, selbst aktiv zu werden. Diese junge Frau spürt, dass mit ihr etwas gemacht wurde, was sie nicht machen muss, was sie auch nicht machen kann. Da steht eine junge Frau vor uns, die sich getragen, angenommen weiß. Eine junge Frau, die nicht von sich aus stark sein muss, aber eine junge Frau, die etwas Starkes erlebt hat, die etwas Starkes spürt und von daher lebt.

 

Die Sehnsucht der Maria wurzelt in einer anderen Dimension. Und Maria kommt in Resonanz zu dieser anderen Dimension, zum Urgrund, zu Gott. So muss sie nicht selber machen. So erfährt sie und nimmt dieses Erfahrene auf und an. Und gestärkt mit diesem Gefühl geht sie ihren Weg: Das ist Kontemplation pur!

 

  • Dort, wo ich mich von der Machbarkeit meiner tiefen Sehnsucht löse und auf das Nicht-Verfügbare vertraue, dort kommt meine Sehnsucht in einen konstruktiven Raum. 
  • Dort, wo ich mich auf den Urgrund, auf Gott ausrichte und etwas von ihm erwarte,
    dort, wo etwas von Gott bei mir ankommt, da bin ich im Advent – Ankunft
    Gottes bei mir, bei uns Menschen.
  • Und dort, wo Gott bei uns ankommt, kommen wir zur Ruhe, weil unsere tiefe
    Sehnsucht nach Leben gestillt wird.


Wir wünschen Euch allen Gottes Ankunft bei Euch
und Gespür für ihn im Neuen Jahr!

 

Mit lieben Grüßen,
Irene und Wolfgang


Kontemplation – Schweigemeditation
Meister Eckhard
Kontemplationskurs in Steinerskirchen vom 12. - 14. Juli 2019
Meister Eckhard gilt als der deutsche Mystiker schlechthin. Seine Einsichten
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Impulsreferate, Erleben in der Natur, geistliche Begleitung.)

 

 

Eingestellt 181224

Aktualisiert: 181226

© Dr. W. Kornder 

 

Rundbrief-11 181224: Sehnsucht
Rundbrief-11 181224.pdf
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