Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

 

Unter diesem Titel veranstalteten die Nürnberger Nachrichten (NN) am 5. Oktober 2017 eine Podiumsdiskussion in der Bertold-Brecht-Schule Nürnberg. Auf dem Podium waren nicht etwa renommierte Wolfsforscher, sondern jemand, der als Vertreter der Weideviehhalter direkt betroffen ist, und Jäger und Förster, also die, denen der Wolf am ehesten bei der Ausübung ihres Berufes oder Hobbys begegnet. Ich selbst bin als Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereines Bayern e.V. (ÖJV Bayern) mit dabei gewesen. 

 

Der Wolf war für den ÖJV Bayern schon immer ein Thema. Das fing Ende der 90ger Jahre mit Erik Zimen, der bis zu seinem frühen Tod 2003 Mitglied im ÖJV Bayern war, an und geht über viele Vorträge und Seminare speziell zum Wolf weiter. Das Letzte in dieser Reihe fand am 1. Juli 2017 in Freising statt (https://www.oejv-bayern.de/termine/allgemeine-termine/170701-wolfseminar/).

 

Der ÖJV Bayern begrüßt den Wolf, weiß aber auch um die damit verbundene Problematik, speziell hinsichtlich der Weidetierhaltung. Letztere wird nur noch mit Herdenschutzhunden, die durchaus ihre eigene Problematik haben, und hinter wolfssicheren Zäunen (meist Elektrozäunen) möglich sein.  Der Bundes-ÖJV hat unter der Federführung des Landes-ÖJV´s im Wolfs-Land Brandenburg zusammen mit Naturschutz- und Nutzerverbänden Eckpunkte entwickelt, die beim Umgang mit dem Wolf und den wolfsbedingten Problemen helfen sollen (https://www.oejv-bayern.de/aktuelles/, dort: Weidetierhaltung und Wolf in Deutschland). Der ÖJV Bayern steht zu den dort gefassten Eckpunkten.

 

Mir selbst sind in freier Natur nie Wölfe begegnet. Was ich von ihnen weiß, habe ich aus zweiter Hand. Auch meine Bild- und Filmaufnahmen stammen ausschließlich aus Gehegen. Darüber hinaus kenne ich Menschen, zuallermeist Jäger und Förster - auch in Franken -, in deren Revieren Wölfe vorkommen, wenn auch meist sporadisch. Auch sie haben kaum Wölfe gesehen, die Anwesenheit der Wölfe ist aber über Wildkameras dokumentiert.

 

Einzelne Verbände haben sich dem Wolf verschrieben. So etwa die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzSdW), in der der ÖJV Bayern schon lange Mitglied ist. Inzwischen gibt es auch im deutschen Raum eine Fülle von Forschung und Literatur zum Thema Wolf. Das ist gut so. Solide Grundlagen erleichtern einen angemessenen Umgang.

 

Trotzdem polarisiert der Wolf. Manche sind regelrechte Wolfsgegner. Der Wolf ist für sie ein rotes Tuch. Wenn - wie bei den Weidetierhaltern - ihre Existenz mit dem Aufkommen der Wölfe direkt betroffen ist, habe ich Verständnis dafür. Wenn partikulare Interessen im Hobby-Bereich ausschlaggebend sind, wie etwa die Angst, dass die Haltung hoher Schalenwildbestände tangiert wird, fehlt mir dieses. Wenn Menschen einfach Angst haben, weil der Wolf einfach kein Kuscheltier ist (frei nach Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, CSU)  und weil (noch) eine bestimmte kulturell gewachsene Angst vorherrscht, dann kann ich das auch gut nachvollziehen.

 

Ich selbst finde Wölfe faszinierend. Für mich als Gruppenanalytiker ist ihr Zusammenleben und Auftreten allein schon interessant. Und dass die Tiefen- und Sozialpsychologie eine, vielleicht „die“ zentrale Beschäftigungsebene mit den Wölfen ist oder sein sollte, rührt von meiner tiefenpsychologischen Prägung her. Auf jeden Fall bin ich weit davon entfernt, das Thema Wolf zu verharmlosen. Und andererseits bin ich Realist genug, nach sinnvoller Unterstützung der betroffenen Weidetierhalter Ausschau zu halten. M.E. ist das ein großer Auftrag an jeden von uns, an unsere Gesellschaft und den Staat. In Bayern wäre es dringend nötig den Wolfsmanagementplan 3, der von Wolfspopulationen in Bayern ausgeht, zu verabschieden. 

 

Dr. Wolfgang Kornder

 

Eingestellt: 171002

Aktualisiert: 171008

© Dr. W. Kornder

Eckpunktepapier verschiedener Naturschutz- und Nutzerverbände 170831
Die Eckpunkte wurden vom Bundes-ÖJV mit erarbeitet und unterzeichnet.
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